100 Jahre Narrenzunft Rottweil
Im Jahr 2003 feiert die Narrenzunft Rottweil den 100. Jahrestag
ihrer Wiedergründung.
- Die Wiedergründung wurde im Jahre 1902 durch die Kamelwirtin Lina Kiene angeregt, nachdem an der Fasnet nur ca. 15 – 20 Narren in der Stadt unterwegs waren.
- An der Fasnet 1903 treffen sich gerade noch neun Narren im Gasthaus "Kamel" und beschließen vermutlich die Gründung eines Vereins zur Hebung der Straßenfasnet.Ehepaar Kiene (Bild von Wolfgang Kiene ( Kuki), Enkel der Wirtin).
- Die Wiedergründung findet am 30. Oktober 1903 im Gasthaus „Marder“
statt; Glasermeister Karl Pfister und Marderwirt Wendelin Benner
laden dazu ein. Zur Versammlung kommen 22 Personen. Der Name des Vereins
ist „Narren- Verein Rottweil“.
- Der Zweck des Vereins ist „Die Hebung der Rottweiler öffentlichen
Narretei wie vor Altem“.
Provisorische Vorstandschaft des Vereins:
Vorstand: Karl Pfister
Schriftführer: Wendelin Benner
Kassierer: Herrmann Hoch
- Am 20. November 1903 wird der Verein in Narrenzunft Rottweil umbenannt.Karl Pfister
- In der Generalversammlung am 17. Januar 1904 im Gasthaus "Sonne" werden folgende Personen gewählt:
Vorstand: Karl Pfister- Am 24.Januar 1904 wird im Gasthaus "Marder" beschlossen, als Abzeichen Bändel in den "Stadtfarben" zu besorgen.
Vizevorstand: Max Villinger
Schriftführer: Wendelin Benner (ab 1905 Wilhelm Herb)
Kassierer: Hermann Hoch
Ausschuss: Jgnaz Spreter
Josef Dorn
Wilhelm Laier
Franz Karais, sen.
Viktor Hezinger
Max Maier, Siebmacher
Stephan Villinger
Paul Hutter
- Am 31.Januar 1904 bestellt die Zunft Schmiedemeister Johannes Nester und Wendelin Benner als „Vorreiter“ im eigenen Harlekin.Dies könnten die ersten Narrenbändel sein (Ausschnitt aus einem Foulard von 1908). Auf dem Foulard sind Bändel: Narren-Zunft (Schrift rot), Narren-Zunft (Schrift schwarz) und die der Jahre 1906, 1907 und 1908. Der Bändel mit der roten Schrift könnte für 1904, der mit der schwarzen Schrift für 1905 sein.
- Die Narrenzunft organisiert ab 1904 den Narrensprung am Dienstagmorgen.
- In der Generalversammlung am 2. Februar 1905 werden die neuen, erweiterten Statuten der Narrenzunft verabschiedet. Die Narrenzunft ist Veranstalter der Straßenfasnet, die Vereine Narrhalla und Heiterkeit organisieren Saalveranstaltungen.
- Es beteiligen sich 1905 bereits 80 Narren am Narrensprung am Dienstagmorgen.
- Alte Figuren werden wieder aktviert, 1906 der Lange Mann und 1907
"Schiermaiers Guller".
- Das Abstauben wird 1906 erwähnt.
- Ab 1908 organisiert die Narrenzunft alle Narrensprünge. Es findet auch ein Umzug am Dienstagnachmittag statt.
Postkarte mit dem Bereich des Schwarzen Tores
- 1909 Verordnung der Stadt: Die Zuschauer sollen die Straße freihalten.
-Der Vorstand des Vereins bekommt seinen alten Namen „Narrenmeister“.
-Rechtsanwalt Eugen Ritter verfasst auf Veranlassung der Narrenzunft
die erste bekannte Schrift über Rottweils Fasnet mit dem Titel „Rottweiler
Fasnet einst und jetzt“.
Titelseite der Ritterschen Schrift
- 1910 findet der letzte historische Themenumzug mit dem Thema „Besuch Rottweils durch Rudolf von Habsburg“ statt. Dabei stellt die Narrenzunft die Zunft der Weber.
- An der Fasnet 1911 veranlasst die Narrenzunft die ersten Filmaufnahmen des Narrensprungs. Die Aufnahmen werden am Dienstagmorgen durch Kinematograph National gemacht.
Erste erhaltene Narrenkarte im Besitz der Narrenzunft.
- Die Narrenzunft begrüßt 1914 am Fasnetsdienstag König Wilhelm II., mit einer Narrengruppe und der Stadtkapelle am Bahnhof. Der württembergische König ist auf der Durchreise.
Postkarte mit dem Besuch König Wilhelm II.
- Im ersten Weltkrieg entfällt die Fasnet. Die Narrenzunft sendet von 1916 – 1918 Liebesgaben an ihre Mitglieder ins Feld und in die Garnisonen.
Narrenbändel aus der Zeit des I. Weltkrieges
- 1920 nimmt die Narrenzunft ihre Tätigkeit wieder auf. Sie schreibt an das Innenministerium, jedoch ohne Erfolg. Trotzdem herrscht Narrentreiben in der Stadt, wogegen die Polizei einschreitet. Erst 1922 wird der erste Narrensprung nach dem I. Weltkrieg genehmigt.
- Französische Truppen marschieren 1923 ins Ruhrgebiet ein, worauf die Fasnet aus fällt. Die Narrenzunft verteilt ihre kompletten Einnahmen in Höhe von 230000 Mark an Kleinrentner.
- Auf Einladung der Villinger Narrenzunft treffen sich 13 Zünfte,
zu denen auch Rottweil gehört, am 16. November 1924 in Villingen.
Man gründet die Vereinigung Schwäbisch- Alemannischer Narrenzünfte.
- Der Rottweiler Zunftschreiber Wilhelm Herb wird zum 2. Präsidenten
der Vereinigung gewählt.